
Das Tafelgemälde „Kreuzigungsszenen mit Stifterinnen und Wappen“ aus dem Jahr 1574 wurde nach eingehender Untersuchung und umfassender Konservierung wieder an seinen angestammten Platz neben dem Hochaltar gebracht.
Im Zentrum der Maßnahmen stand die Rückseite der Holztafel, in der die Hauptursache für das komplexe Schadensbild lag. Die Tafel besteht aus fünf stumpf verleimten Nadelholzbrettern, die durch mehrere historische und nachträgliche Stützsysteme stabilisiert wurden. Besonders die später angebrachten T-förmigen Querleisten erwiesen sich als problematisch: Sie schränkten die natürliche Beweglichkeit des Holzes stark ein und führten in Kombination mit klimatischen Schwankungen zu erheblichen Spannungen.
Die Folgen waren geöffnete Fugen, Rissbildungen, Verwerfungen des Bildträgers sowie eine zunehmende Destabilisierung der Malschicht. Im Rahmen der Diplomarbeit an der Akademie der bildenden Künste Wien wurde das Gemälde im Bundesdenkmalamt umfassend untersucht und konservatorisch behandelt. Zunächst erfolgte die sorgfältige Dokumentation des Zustands sowie materialtechnische Untersuchungen.
Anschließend wurden die schädlichen Querleisten entfernt. Risse und geöffnete Fugen konnten durch das Einbringen einer Leimfasermischung stabilisiert und geschlossen werden, während fraßgeschädigte Holzbereiche konsolidiert wurden. Ein wesentlicher Schritt war die Überarbeitung der originalen Gratleisten: Diese wurden temporär ausgebaut und so modifiziert, dass sie mithilfe eines Federsystems wieder beweglich sind und auf klimatische Veränderungen reagieren können.
Dadurch konnte die Spannungsbelastung im Holz deutlich reduziert werden. Begleitende Laserscans vor und nach den Maßnahmen machten die erzielte leichte Begradigung der Tafel messbar und dokumentierten die weiterhin bestehende, aber reduzierte Deformationstendenz. Parallel dazu wurde die Malschicht gefestigt. Lockerungen und dachförmig aufstehende Farbschollen wurden konsolidiert, um weitere Verluste zu verhindern. Ergänzend legte man gezielt Referenzflächen an, auf denen eine mögliche Abnahme des vergilbten Firnisses sowie älterer Übermalungen erprobt wurde.
Diese zeigen, dass in vielen Bereichen noch gut erhaltene originale Malschichten vorhanden ist, während andere Zonen bereits stärkere Verluste aufweisen. Das Gemälde ist nun konservatorisch stabilisiert und damit langfristig für die Nachwelt gesichert. Weiterführende Maßnahmen an der Vorderseite sind derzeit nicht dringend erforderlich; auf Basis der angelegten Musterflächen können diese jedoch bei Bedarf jederzeit umgesetzt werden. Der Blick auf das Bild lädt nun dazu ein, sowohl seine künstlerische Qualität als auch die sorgfältige Arbeit hinter seiner Erhaltung bewusst wahrzunehmen.
Mag.a Ulrike Palm, MA, Fachreferentin für polychrome Skulptur und Holz im Bundesdenkmalamt Wien