
Wie in jedem Jahr feierten wir auch heuer den Jahrestag der Kirchweih der Gebhardkirche. Allerdings war es in diesem Jahr ein „halbrundes Jubiläum“. Zum 65. Mal jährte sich dieses Ereignis. Da die angefragten Prediger zu diesem Anlass aus unterschiedlichen Gründen nicht konnten oder absagen mussten, kam es mir zu, Gedanken zu diesem Festtag zu sprechen.
Ich versuchte einen Bogen zu spannen vom Beginn bis in unsere Zeit herauf. Ich gebe auszugsweise Gedanken meiner Predigt wieder. Der Administrator der Apostolischen Administratur Innsbruck-Feldkirch, Dr. Paulus Rusch, schrieb in der Gedenkschrift zu Erbauung der Kirche St.Gebhard:
„Unsere modernen Städte wachsen. Um den Stadtkern bildet sich ein Stadtrand, …“
So war es uns schon bei der Tausendjahrfeier [der Geburt] des Heiligen Gebhard [1949] ein Anliegen, im neuen Stadtrandgebiet von Bregenz Gott wieder anwesend zu machen. Wir bauten also wenigstens eine Notkirche, …Mehr war in der damaligen Notzeit nicht möglich.
Heute haben sich die Verhältnisse gebessert. So schien es nicht mehr entsprechend, dass der Gottessohn in einer Baracke hause, während ringsum große, moderne Bauten errichtet werden. Wir schritten also zum Bau einer Kirche, deren Fassungsraum auch für die vergrößerte Bevölkerungszahl genügen sollte. Sie ist nun fertiggestellt. …Möge die neue Pfarre den Doppeldienst der Wiederverwurzelung der eigenen Seelsorgskinder und der Ausstrahlung auf das Stadtganze mit Gottes Segen immer zu leisten vermögen!“ (In: Josef Jäger, Gedenkschrift zur Erbauung der Kirche St. Gebhard Bregenz, / 1956 – 1994, Seite 9)
Die Mauern dieser Kirche, die vor 65 Jahren wie der Altar mit Chrisam gesalbt wurden, führen zusammen, geben Geborgenheit, füllen sich mitmenschlichem Leben in Zeiten des Alltags und des Festes, in Zeiten derFreude und der Trauer.„Halte deine Augen offen über diesem Haus bei Nacht und bei Tag, über derStätte, von der du gesagt hast, dass dein Name hier wohnen soll.“ (1 Kön 8,29)So hörte es die versammelte Gemeinde am Kirchweihsonntag in derLesung: Über Jahrzehnte vollzieht sich, dass Gott auch auf dieses Haus, unsere Kirche blickt.
Im Juni schrieb unser Diözesankonservator MMag. Othmar Lässer im Leitartikel des Bregenzer Pfarrblattes unter dem Titel „Räume mit Sinn und Seele“ über alle sechs Pfarrkirchen eine Art Mini-Beschreibung:
„Wer durch Bregenz geht und die Pfarrkirchen aufsucht, dem begegnen … Orte, die sich von allen anderen Räumen unterscheiden: … [so auch]_ die Pfarrkirche St. Gebhard, deren funktionale Klarheit ergänzt wurde durch eine beachtliche Anzahl religiöser Werkeführender zeitgenössischer Künstler [wie] (Hubert Berchtold, Emil Gehrer,Fritz Krcal und Leopold Fetz).“ (In: Bregenzer Pfarrblatt, Nummer 6, Juni2026, S. 4)
Das beachtliche Tryptichon mit dem heiligen Gebhard, das zur Feier des 1000. Geburtstag im Jahr 1949 geschaffen wurde, die bunten Glasfenster, der Kreuzweg, die Statuen der Gottesmutter und des hl. Josef, das sind allesbesondere Zeichen der Ausgestaltung dieses recht funktionalen Baus Ende der fünfziger bis Anfang der sechziger Jahre. Und auch die Orgel des Wiener Orgelbauers Herbert Gollini, die im Jahre 1975 eingebaut wurde, ist ein beachtliches, klangvolles Instrument mit 32 Registern und wird von verschiedenen Organist:innen immer mehrgeschätzt.
Durch die Umgestaltung der Kirche im Jahre 2011 wurde dieser Raum auch baulich so wie es den Vorgaben des II. Vatikanischen Konzils entspricht. Er ist geeignet für gottesdienstliche Feiern mit vielen Menschen als auch– durch die damals neu entstandene Kapelle – für Feiern im kleinen Rahmen.
Mir wurde diese Kirche in den 13 Jahren seit ich hier als Priester wirke wertvoll und zu einem würdigen Feierraum. Am Ende des Gottesdienstes ließen wir auch unsere „Kirchenmaus“, so nennt sich Brigitte Fink immer wieder mal, hochleben und überreichten ein Geschenk zu ihrem „runden Geburtstag“ und als Dank für ihre unzähligen Dienste, die sich nicht nur auf das Reinigen unserer Kirche beschränken. Vergelt’s Gott! Daher für den Kirchenbau, für unsere Pfarrgemeinde undauch für Brigitte: Ad multos annos!
Nach der festlichen Messfeier, die von der Stadtkapelle Bregenz-Vorkloster musikalisch gestaltet wurde, gab es auf dem Kirchplatz bei prächtigem Wetter das traditionelle Kirchweihfest. Viele verweilten in Dirndl und Lederhose bis in den Nachmittag beim Spiel der Musik und guter Bewirtung durch das Männer-Kochteam. Es war ein gelungenes Fest zum Weihetag.
Pfarrer Mag. Manfred Fink