
Ein Meer von Fahnen. Und niemand fragt warum.
Im April 1943 beschreibt Friedrich Mundig ein ausgebranntes Haus– im dritten und vierten Stock nur noch Ruinen, im zweiten eine große Hakenkreuzfahne. Stalingrad war verloren, Städte lagen in Schutt und Asche, Männer starben an der Front – und doch: ein Meer von Fahnen.
Mit diesem irritierenden Bild beginnt die Ausstellung „Ende und Anfang – Verweigerung und Widerstand“ der Friedensbibliothek des Antikriegsmuseums Berlin, die vom 1. bis 15. März in der Herz-Jesu-Kirche in Bregenz zu sehen ist, im Rahmen des Landestheater-Projekts zu Carl Lampert.
Die Ausstellung führt mitten hinein in die letzten Kriegsjahre und die ersten Schritte danach: Bilder zerstörter Städte, Flüchtlingstrecks und fanatischer Durchhaltepropaganda stehen neben Momenten des Aufbruchs: Enttrümmern, Überleben, Neubeginn. Dazwischen Gesichter von Menschen, die Widerstand leisteten oder sich verweigerten: Franz Jägerstätter, Dietrich Bonhoeffer, Sophie und Hans Scholl und Carl Lampert, über den am Landestheater derzeit ein eigenes Stück inszeniert wird. Der „Anfang“ zeigt das Danach: Enttrümmern, Überleben, erste Schritte zurück ins Leben. Ein alter Mann mit ein paar Büchern zwischen Schutt und Staub.
Zur Vernissage spannte Wolfgang Weber, Historiker und Autor zahlreicher Publikationen zur österreichischen Zeitgeschichte (u. a. Schelling revisited zum Kriegsende in Vorarlberg), den Bogen von Untergang und Neubeginn, von Anpassung und Aufbegehren – und fragte nach der Bedeutung von Erinnerung für unsere Gegenwart. (Eröffnung: Sonntag, 1. März, 11.45 Uhr)
Ausstellungsdauer: 1. bis 15. März
Eine Kooperation von Pfarre Herz Jesu, Landestheater Vorarlberg und Carl Lampert Forum.
Und vielleicht liegt zwischen Ende und Anfang genau das, woran Erinnerung uns erinnert – wie Elie Wiesel es formulierte:
Wenn überhaupt irgendetwas dazu fähig ist, dann ist es die Erinnerung, die die Menschheit retten wird.
Elisabeth Heidinger, Carl Lampert Forum