
Manchmal führt uns das Leben in die Wüste – jene stillen, unbequemen Orte, an denen alles lauter wird: unsere Sehnsucht, unsere Zweifel, unsere Müdigkeit.
Genau dort begegnen wir heute Jesus im Evangelium nach Matthäus (Mt 4,1-11).
Vierzig Tage lang erträgt er die Stille, den Hunger, die Versuchung. Und doch bleibt er gehalten und getragen von einem Vertrauen, das tiefer ist als jede Stimme, die ihn locken will.
Diese Szene ist kein ferner Mythos.
Sie erzählt auch von uns. Von unseren eigenen inneren Kämpfen, in denen wir spüren, wie zerbrechlich wir sind – und wie stark Gottes Nähe sein kann.
Jesus zeigt uns: Versuchung ist kein Scheitern, sondern ein Ort der Klärung und damit ein Raum, in dem wir neu entdecken dürfen, wer wir sind und wem wir gehören.
Vielleicht ist gerade diese Woche eine Einladung, unsere kleinen Wüsten nicht zu fürchten, sondern ihnen mit offenem Herzen zu begegnen. Denn dort kann auch Segen wachsen.
Vikar im Seelsorgeraum Katholische Kirche in Bregenz